Monatsarchiv für November 2009

Animationen im Kunstkontext - GUi-GUi in Hamburg

Am Freitag, den 27.11.09 fand im Hinterconti in Hamburg die Vernissage einer Gruppenausstellung zum Thema “Materialermüdung” statt. Neben KünstlerInnen und weiteren Gästen der Gruppe “GUi-GUi – Multiartists On Superfire” nahm auch Michael Beyer (MIC) aus Berlin mit Animationen an der Ausstellung teil.

gui-gui-www-animationsfilm-de

MIC zeigte 4 Animationen mit Charakteren, die an seine von Postkarten und T-Shirts bekannten Lololand-Figuren erinnerten, sich aber zum ersten Mal in der digitalen dritten Dimension zeigten. Ein Hund purzelt immer wieder eine Treppe hinunter, eine Ente legt eine unendliche Strecke auf dem Laufband zurück, Bär und Pinguin bewegen sich in einem ewigen Tanz umeinander, ein Hamster läuft im Kreis und erfährt gelegentlich Abwechslung im Laufrad. Die Tiere blicken verzweifelt drein, verfolgen ein unerreichbares Ziel, vollziehen stoisch ihre Verrichtungen. Sie befinden sich, dem Ausstellungsthema entsprechend, auf dem Weg der Materialermüdung. Sie sehen süß aus, der Hamster lächelt sogar gelegentlich, viele Betrachter müssen erstmal lachen. Bei längerer Betrachtung bemerken sie aber, dass die Figuren sich nicht freiwillig in dieser Situation befinden. Gelegentlich wandern ihre Blicke zum Betrachter, werfen Fragen nach einem Sinn auf, flehen für Momente um Hilfe. Mir fiel ein: “Erste Erfahrungen naiver Protagonisten im Kampf gegen das System ihrer Verwertbarkeit.”

MIC präsentierte seine ca. 10 bis 30 sekündigen Loops auf kleinen mobilen Abspielgeräten, die im schönen Widerspruch zu den verwitterten Holzleisten standen, mit denen sie gerahmt waren. Die Ausstellung lief in Hamburg nur 3 Tage lang, und ich würde mich freuen, wenn MIC seine Arbeiten - oder noch besser die gesamte Ausstellung der Gruppe - in Berlin zeigen könnte. Ich konnte den meisten der Arbeiten sehr viel abgewinnen, am einfachsten erschließen sich mir solche, die illustrativen Charakter haben. So habe ich mich noch sehr über den Comic vom Imke Staats und die Beiträge von Ebeneeza K. gefreut. Aber das ist überwiegend persönliche Geschmackssache und soll die anderen Teile der Ausstellung nicht minder werten.

LINKS:
Künstlergruppe GUi-GUi (http://www.gui-gui.net/)
MySpace Seiten von GUi-GUi (http://www.myspace.com/guigui_multiartists)
Michael Beyers Loloand (http://www.lololand.com)

1 Kommentar »

Markus Wende am 29. November 2009 in Animation Action

Ankündigung: 26.11. Markus Wende zeigt “Sieg der Väter”

Im Rahmen der Veranstaltungs-Reihe “55 Jahre HFF” wird am Donnerstag, den 26.11. ab 17 Uhr u.a. mein alter Studentenfilm “Sieg der Väter” im großen HFF Kino gezeigt. Zudem sitze ich zusammen mit Gabor Steisinger und Konrad Weise auf dem Podium, um über die HFF im Umbruch zwischen den Systemen und über alte Zeiten zu plaudern. Die Veranstaltung ist öffentlich, jede und jeder ist herzlich eingeladen, sich auf den Weg nach Potsdam Babelsberg zu machen.

Folgende Filme werden gezeigt:

Quick Animation (1989) von Gabor Steisinger – 12:00 min
Monkey Business
(1995) von Thor Freudenthal – 2:00 min
Guten Appetit
(1998) von Bernd Beyreyther, Daniel Binder, Robert Zwirner – 3:40 min
Late at Night
(1997) von L. Zoller, S. Saghri, S. Jordan, S. Heckmann - 4.41 min
Sieg der Väter
(1994) von Markus Wende - 2:00 min
A Case of doubt
(2002) von Torsten Schrank - 3:19 min
Ein klarer Fall
(2003) von Jan Berger – 4:31 min
Subway score
(2004) von Alexander Isert – 6:23 min
Anhalter
(2005) von Daniel Höpfner – 12:51 min
Fish Soup
(2006) von Alexej Tschernei – 10:00 min
Klotz und Klumpen
(2008) von Michael Herrm und Stefan Sacher – 10:19 min

Der offizielle Einladungstext:

Rückblicke und Ausblicke – HFF-Animationsfilme aus zwei Jahrzehnten

In der Donnerstags-Reihe „55 Jahre HFF, 20 Jahre nach dem Mauerfall – Die Geschichte in Filmen“ präsentiert sich am kommenden Donnerstag der Studiengang Animation der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ mit einem repräsentativen Querschnitt studentischer Arbeiten aus den letzten zwei Jahrzehnten.

Wie entwickelte sich der Animationsfilm an der HFF? Welchen Einfluss nehmen technologische Entwicklungen des Filmmarktes auf die künstlerische Arbeit der Studierenden? Ist der Animationsfilm politisch? Was machen ehemalige Studierende heute? Diesen Fragen wird Konrad Weise, selbst HFF-Absolvent und künstlerischer Mitarbeiter des Studiengangs Animation, an diesem Abend nachgehen.

Babelsberg hat eine lange Spielfilmtradition. Der Trickfilm war bis zum Mauerfall eher das Stiefkind, dem man die Existenzberechtigung nicht absprach, das man aber auch nicht sonderlich liebte. Im Fokus des Interesses stand immer der Real-Spielfilm. 1984 wurde an der HFF der Studiengang Animation gegründet und in den letzten 20 Jahren entwickelte er sich zu einem künstlerischen und technologischen Schwergewicht in der internationalen Hochschullandschaft. Die Abschlussfilme des Hauses gewannen viele wichtige Branchenpreise und sind jedes Jahr auf nationalen und internationalen Festivals von Rostock bis Rio de Janeiro präsent. „Die Studierenden der Animation beschränken sich in ihren Bildmotiven nicht auf hüpfende Knollennasen in bunten Kostümen, sondern erzeugen in ihren Filmen eine zeitgeistliche und intelligente Überhöhung der Realität.“, betont Konrad Weise. Das Spektrum der Genres und Animationstechniken ist breit und die Geschichten am Donnerstag erzählen von den Dingen des Lebens aber auch von malträtierten Affen, Kakerlaken im Kühlschrank oder dem Teufel in der U-Bahn. „Die Zuschauer erwartet ein unterhaltsamer Abend, an dem auch Gefühle nicht zu kurz kommen und der Phantasie keine Grenzen gesetzt werden“.

Das Programm thematisiert jedoch nicht nur die Resultate der Ausbildung in Form fertiger Filme, sondern auch den Weg dorthin. Wie junge Studierende ihre Studienzeit in den Zeiten des Umbruchs erlebten und welche Erfahrungen sie später im Beruf machten, darüber spricht Konrad Weise mit seinen Gästen Gabor Steisinger und Markus Wende.

Wann: Donnerstag, den 26.11.09, 17:00 Uhr
Wo: HFF „Konrad Wolf“, Marlene-Dietrich-Allee-11, 14482 Potsdam, Kinosaal
Eintritt Frei!

Keine Kommentare »

Markus Wende am 24. November 2009 in Animation Action

Judas & Jesus - Premiere und DVD Release

judasundjesus-dvd

“Judas und Jesus, erst war es nur ein Spiel,
aber bei Zweien ist immer einer zuviel.”

(Aus dem Titelsong des Films)

Teampremiere

Am 7. November 2009 fand im Kino Babylon in Berlin Mitte die langerwartete Teampremiere von Judas & Jesus statt. Olaf Encke und Claudia Romeros Film war bereits seit ca. einem halben Jahr fertig und wurde schon auf einigen Filmfestivals gezeigt. Für viele des großen Teams war es trotzdem das erste Mal, dass sie den Film in voller Länge und auf großer Leinwand sehen konnten. Vor gut 350 Leuten stellten Olaf und Claudia neben dem Film noch alle Anwesenden vor, die in den letzten 3 Jahren teils durch großen Aufwand dazu beigetragen haben, das ehrgeizige Projekt zu realisieren. Für die meisten hat sich der Einsatz gelohnt. Der Film ist qualitativ ein kleines Meisterwerk, das den Vergleich zu großen Feature-Produktionen nicht zu scheuen braucht: klasssicher, handgemachter Zeichentrick auf höchsten Niveau. Auch die provokative Story und die vielen, teils gut versteckten Witze kamen gut an. Der Film wird aber dabei durchaus unterschiedlich aufgenommen. Manchen war das alles einfach zu belanglos, manchen zu eklig, anderen wiederum nicht eklig genug und wieder anderen ging es zu schnell und ihnen fehlte eine psychologisch interessante Figurenentfaltung. Die meisten Kritiken, die ich mitbekam waren aber positiv - die Leute fühlten sich gut und spaßig unterhalten.  “Olaf und Claudia haben ein fettes Werk hingelegt - das Ding steht wie ein Felsen.” konnte ich z.B. mehrfach hören. Nach der Premiere wurde noch ausgiebig gefeiert und getratscht. Hier ein paar - wegen der Lichtverhältnisse optisch etwas mäßige - Fotos von dem schönen Nachmittag.

DVD Release

Bei der Teampremiere bekamen alle HelferInnen des Films eine DVD von “Judas & Jesus” überreicht (siehe Foto oben). Die DVD kann ab sofort für teuflische 6,66 Euro beim Interfilm Shop (LINK) bestellt werden. Da auch der Verkauf dieser DVD dazu dient, die Realisierung weiterer Independent-Projekte zu ermöglichen, wiesen Olaf Encke und Claudia Romero nochmal darauf hin, die DVD zu bestellen und nicht zu kopieren.

Die DVD bietet neben dem Film noch einige nette Extras. Es gibt z.B. einen mehrsprachigen Kommentar, der an vielen Szenen eingeblendet werden kann und der u.a. Hinweise zu den geschichtlichen Bezügen des Films liefert. Zum Thema der “unbefleckten Empfängnis” heißt es z.B. dass sie sonst nur bei Rüsselkäfern, Kopfläusen und ähnlichem Getier in der Natur vorkommt. Ich hatte jedenfalls schon eine Menge Spaß mit den Kommentaren.  Weitere Extras sind: Animatics (mit Testanimationen) aus drei Produktionsfortschritten, Grußworte der Meteors und eine Bildergalerie, die einen Blick auf Filmhintergründe bietet, wie sie im Film so nicht zu sehen sind. Insgesamt ist die “Judas & Jesus” sehr liebevoll gestaltet und die Bild- und Tonqualitäten (Stereo und Sourround) sind hervorragend. Auch wenn ich nicht am Gewinn der DVD beteiligt bin, empfehle ich trotzdem den Kauf.

Dank der DVD kann ich nun auch einen kleinen Continuity-Fehler des Films dokumentieren, der mir aber erst beim dritten Mal gucken (im Kino) aufgefallen war. Bei den Bildern handelt es sich jeweils um die selbe Tür (Es geht hier aber nicht um die Textur der Tür, sondern um das Schild).

judasundjesus-continuity_01

judasundjesus-continuity_02

Keine Kommentare »

Markus Wende am 12. November 2009 in Animation Action

DOK-Leipzig: Anima Podium, Filme und Eindrücke

dok-materialien-www-animationsfilm-de

Vom 27.10. bis zum 1.11. war ich zu Gast beim 52. internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm. Mein Film “The Animator’s Way of Surviving the Crisis” lief im Sonderprogramm “Neue deutsche Animation”. Der Film “Bankenkrise” (LINK) von Till Penzek und Jon Frickey war direkt vor meinem im Programm platziert und hat das Publikum sehr gut eingestimmt. So ergänzten sich zwei ganz unterschiedliche Sichtweisen auf die Thematik, was sehr gut angenommen wurde. Es hat mich sehr gefreut, meinen Film dort in dem Rahmen zeigen zu können.

JUDAS & JESUS

Ebenfalls im Programm der neuen deutschen Animation wurde “Judas & Jesus” von Olaf Encke und Claudia Romero gezeigt, an dem ich intensiv mitgearbeitet hatte. Da ich den Film bisher weder fertig vertont noch auf großer Leinwand gesehen hatte, war ich natürlich sehr gespannt, ob alles so rüberkommt, wie wir uns das mal gedacht hatten. Der provozierende Film sorgte für viele Lacher im Publikum und wurde am Rande kontrovers diskutiert. Mir hat er sehr gefallen und ich kann ihn jedem Empfehlen, der Lust auf eine durchaus anstößige Neuerzählung einer ganz alten Geschichte aus der Sicht von Judas hat. Der Film verfügt über einen schön rockigen Soundtrack, u.a. von den Meteors und unterhält knapp 15 Minuten lang mit bösen satirischen Bildern, die sicher nicht so schnell in Vergessenheit geraten. Die tanzenden, jubelnden und blökenden Schafe im Swingerclub wurden von mir animiert und es hat mir Spaß gemacht, sie endlich im Saal wieder zu treffen. Für Berliner bietet sich am 4. und 5. November die Gelegenheit, den Film beim Interfilm Festival im deutschen Wettbewerb “gegen jede Regel” (LINK) oder am 7.11. bei der Teampremiere im Babylon zu sehen.

ANIMA TALK MIT JACQUELINE ZEITZ

Neben vielen sehr guten Filmen, die im Wettbewerb und den Sonderprogrammen zu sehen waren, hat mich der ANIMA Talk sehr angesprochen. Jeden Nachmittag lud Jacqueline Zeitz (Programmdirektorin Animationsfilm des Festivals) zum Gespräch zwischen den Filmemachern und Interessierten in das Cafe Telegraph ein. Es war spannend, viel Insider Informationen von den Kollegen zu ihren Filmen zu bekommen und darüber hinaus neue Kontakte zu knüpfen. Über den Produzenten des Films “Orgesticulanismus” (siehe unten) habe ich z.B. von seinem Studio “Caméra etc” (LINK)  in Belgien erfahren, welches komplett staatlich finanziert wird und das Animationsfilme mit sozialen Bezügen und oft in Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen realisiert. Nun ja, so eins hätte ich auch gerne in Deutschland.

MDR INTERVIEW

Am Mittwoch durfte ich dem MDR ein Interview für ihr Festival-Video-Tagebuch geben, das von Torsten Dewi und Andreas Simon realisiert wurde. Es ist zwar recht zerstückelt, aber ich komme zumindest kurz zu Wort und bin ganz zufrieden damit. (Rechte am Bildmaterial beim MDR und DOK-Leipzig)

Get the Flash Player to see the wordTube Media Player.

.

ANIMA PODIUM

Thema: Ausbildung für wen? Der Nachwuchs zwischen Hochschule und Markt

DOK-Leipzig - Animationsdiskussion

“Hochschulvertreter und Studiobetreiber, Studierende und Absolventen diskutieren über das Selbstverständnis des Nachwuchses und das der Hochschulen, über Marktanforderungen und -wünsche, über Formen der Zusammenarbeit, Risikobereitschaft und die Förderungsmöglichkeiten junger Talente.”

So stand es in der Ankündigung und ich war auf eine kontroverse Diskussion gespannt, zumal es bei der Animation durchaus einen Widerspruch zwischen “Kunst und Kommerz” gibt. Es gibt aber auch viele Gegenbeispiele. Die thematische Auseinadersetzung gestaltete sich in der Runde aber leider nicht so kontrastreich, wie ich mir das gewünscht hätte. Olaf Encke führte seinen Film “Judas und Jesus” als Beweis an, dass es auch in Deutschland möglich ist, Filme für ein Erwachsenenpublikum herzustellen. Christina Schindler und Sabine Hirtes erläuterten die unterschiedlichen Ansätze der jeweiligen Ausbildungsstätten, Evgenia Gostrer hielt sich aus der Diskussion weitestgehend raus. Tony Loeser und Richard Lutterbeck bestimmten die Runde und vertraten den Weg ihrer Studios, wirtschaftlich orientiert arbeiten zu müssen, dabei aber manchmal Ansätze ungewöhnlicher Gestaltungen beim Kindertrickfilm zulassen zu können.

Meine Frage an die Studiobetreiber, inwieweit sie jungen, frisch ausgebildeten Menschen in ihren Firmen Anreiz oder gar Perspektive bieten würden, um bei ihnen arbeiten zu wollen, beantwortete Tony Loeser ausweichend, aber den Gesetzmäßigkeiten der Branche entsprechend. Sinngemäß sagte er, dass Junge Menschen in den Studios Erfahrungen sammeln und manchmal von alten Animationshasen lernen können, dass Animationsberufe aber nunmal nomadisch sei und es keine Sicherheiten gibt. Die Leute reisen also den Produktionen hinterher. Das stimmt, das kenne ich von vielen, und manche halten das sogar ein paar Jahre lang durch, verzichten auf Familie und melden sich wegen der Filmförderungsbedingungen auch mal zwischenzeitlich in anderen Bundesländern wohnhaft.

Eine Zeit lang ging es um die mangelnde Vorbereitung in den Hochschulen von StudentInnen auf das spätere Berufsleben hin, verstärkt um den Aspekt der Teamfähigkeit. Die Frage, inwieweit denn Teamfähigkeit im Aufnahmeverfahren für HochschulbewerberInnen eine Rolle spiele beantwortete Christina Schindler für die HFF mit der Gegenfrage, worin sich den Teamfähigkeit während einer Bewerbungsphase widerspiegeln könnte, da es sich doch um eine Eigenschaft handelt, die StudentInnen überhaupt erst im Studium und im Berufsleben entwickeln können. Meine Erfahrung aus verschiedenen Produktionen unterschiedlicher Konstellationen sagt mir, dass beinah jeder junge Mensch in der Lage ist, sich sinnvoll und kreativ auch in kommerzielle Projekte einzubringen und dass vielmehr die Kunst eines Teamleiters darin besteht, das Team so zu organisieren, dass jeder Mitarbeiter seinen Platz findet, in dem er sich wohl fühlt und entfalten kann. Ich bekam bei der Diskussion etwas den Eindruck, dass “Teamfähigkeit” verwechselt wird, mit der Bereitschaft, sich unterzuordnen, zu funktionieren, sich persönlich aufzuopfern und nicht aufzumucken. Klar, dass da niemand Lust zu hat - aber mir wird oft geschildert, das der Alltag im großen Studio genau dieses Verhalten verlangt und fördert. In den Hochschulen lernt man das natürlich nicht unbedingt.

Sehr schade an der ganzen Diskussion fand ich, dass die Punkte Risikobereitschaft und Fördermöglichkeit in Bezug auf neue, ungewöhnliche - meinetwegen innovative Projekte wenig angesprochen wurde. Auch hier stellten sich die Produzenten als Opfer der deutschen Fernsehlandschaft dar, die lieber billig einkauft als im Land zu produzieren oder gar etwas zu wagen. Viele Studios im Ausland beweisen aber, dass es sehr wohl möglich ist, Wagnisse einzugehen, ungewöhnliche Kurzfilme zu produzieren und das eigene Image damit zu gestalten. “Kunst” hat dort eine Chance und beeinflusst den animierten Featurefilm auf angenehmste Weise. Eigentlich wollte ich Herrn Loeser und Herrn Lutterbeck vorschlagen, jedes Jahr einem jungen Animationstalent ein Stipendium im großen Studio zur Umsetzung eines künstlerischen Kurzfilmprojektes zu bieten. Finanziell müsste das doch zu machen sein, wenn man schon in der Lage ist, gewinnbringende Kinofilme und Serien zu produzieren. Fürs Image der Studios wärs auch klasse. Leider ist mir das Anliegen erst nach der Diskussion eingefallen.

Insgesamt war die Runde für meinen Geschmack etwas zu lahm. Klar, es lassen sich auch schwer Widersprüche herbei reden, wo keine sind. Und keiner der Gäste war irgendwie böse auf den anderen oder hatte ihm etwas ernsthaftes vorzuwerfen. Oft beschweren sich aber alle zu recht über die Situation des Animationsfilms in Deutschland und ich denke, es braucht einen etwas anderen Geist, um an diesen Umständen zu rütteln. Die Hochschulen bieten eine Menge Freiheiten für Experimente und ungewöhnliche Animationen. StudentInnen bespielen diese Freiräume und das Publikum zumindest der Filmfestivals nimmt dies gerne an. Die Wirtschaft könnte sich dem durchaus anschliessen und etwas weniger nach finanzieller Verwertbarkeit und etwas weiter als bis zur nächsten Filmförderung schielen. Wenn etwas gutes dabei heraus kommt, springen die Sender am Ende sowiso mit auf. Mir fällt nicht so recht ein, wer dabei etwas zu verlieren hätte.

PodiumsteilnehmerInnen waren:
Prof. Christina Schindler | HFF “Konrad Wolf” | Potsdam
Sabine Hirtes | Filmakademie Baden-Württemberg | Ludwigsburg
Tony Loeser | MotionWorks GmbH | Halle
Richard Lutterbeck | Trickstudio Lutterbeck | Köln
Olaf Encke | Inkarnatoons, Absolvent 2004, HFF “Konrad Wolf” | Berlin
Evgenia Gostrer | Studentin Kunsthochschule Kassel
Moderiert wurde die Diskussion von Vladimir Balzer (MDR Figaro).

Meine Favoriten aus dem Filmprogramm

3 Animationsfilme, die mich begeistert haben:
Runaway
von Cordell Barker (9:11 min, Kanada, 2009)
Birth
von Signe Baumane (12 min, USA/Italien, 2009)
I Know You
von Gudrun Krebitz (3:54, Deutschland, 2009)

4 Animationsfilme, die mich begeistert haben und die online zu sehen sind:
The Black Dogs Progress
von Stephen Irwin (3:14 min, UK, 2008)
Western Spaghetti
von PES - Adam Pespane (1:44 min, USA, 2009)
Please Say Something
von David OReilly (10 min, Irland, 2009)
Orgesticulanismus
von Mathieu Labaye (9:27, Belgien, 2008)

Alle Preisträger des Festivals finden sich auf der Webseite des DOK-Leipzig (LINK)

FAZIT UND FOTOS

Leipzig ist ein kleines (in Sachen Animationsfilm) aber feines Festival mit sehr persönlicher Atmosphäre. Es waren tolle Tage mit vielen alten und neuen Freunden. Ich werde wieder kommen, hoffentlich schon im nächsten Jahr. Irgendwie war ich diesmal nicht so fotoaktiv wie sonst oft, hier aber ein paar Eindrücke.

Keine Kommentare »

Markus Wende am 02. November 2009 in Animation Action, TAWOSTC