Sieg der Väter / Victory of Fathers

Sieg der Väter / Victory of Fathers

SIEG DER VÄTER
Animationsfilm
Deutschland 1994, 1.30 Min, Mono, 35mm
Produktion: HFF „Konrad Wolf“ Potsdam Babelsberg
Idee und Realisiation: Markus Wende
Technik: Tusche auf Filmmaterial, manuell gekratzter Lichtton

SYNOPSIS
Selbstmord im Knast – Selbstbefreiung –
Kapitulation – Systemkalkül

HINTERGRUNDINFOS UND HERSTELLUNG
„Sieg der Väter“ wurde durch die Filme von Norman McLaren, die im Seminar zu Trickfilmästhetik und Trickfilmanalyse bei Kurt Weiler behandelt wurden, inspiriert. Dieser erste Animationsfilm im Rahmen des Studiums an der HFF Potsdam-Babelsberg wurde ohne Kamera und ohne Tonaufnahmen hergestellt. Der künstlerische Reiz lag in der direkten Bearbeitung des blanken Filmmaterials. Die rein assoziative, spontan Gedanken umsetzende Geschichte entwickelte sich Tag für Tag parallel zu den Bildern, die mit einem feinen Tuschezeichner direkt auf Filmmaterial – das zum Teil aus den Mülleimern des Studiengangs Schnitt recyclet wurde – gezeichnet wurden. Der Ton wurde mit einer Stahlnadel in die optische Tonspur des Materials gekratzt. Im Februar 2006 erhielt der Film das „Prädikat wertvoll“ der Filmbewertungsstelle Wiesbaden.

FESTIVALS
Sieg der Väter wurde auf über 30 internationalen Filmfestivals gezeigt. Unter anderen beim:
– Kurzfilmfestival Hamburg 1996
– Trickfilm-Festival Stuttgart 1996
– PREMIERS PLANS FESTIVAL D’ANGERS 1996
– festival int. du film d’animation annecy 1995
– International Film Festival Ankara 1995

GUTACHTEN DER FILMBEWERTUNGSSTELLE WIESBADEN (Kurzfassung, Februar 2006)
Ein Film, der ohne Kamera und Mikrophon gemacht wurde: direkt auf das 35mm-Material gemalt und auf die Tonspur gekratzt, bietet er eine ganz eigene Seh- und Hörerfahrung. Das Konzept ist dabei so radikal und konsequent umgesetzt, dass man gebannt und gespannt hinsieht.

Dabei ist dies kein reiner Experimentalfilm. Es gibt viele narrative Partikel, die in betont primitivem Malstil an frühe Comicstrips wie etwa jene mit der“ Crazy Cat“ erinnern. Dabei zeigt der Film schreckliche Szenen, in denen den gezeichneten Figuren Schlimmes widerfährt. Wenn zum Beispiel in einer kurzen Sequenz auf vorher belichteten Film gemalt wird, der eine reale Straßenszene mit Autoverkehr zeigt, dann gerät das aufgemalte Auto prompt in einen Unfall mit viel Feuer und Qualm und auf der Tonspur gibt es schreckliche Geräusche.

Der spielerische Umgang mit dem Medium steht dabei in einem seltsamen, ja teilweise grotesken Gegensatz zum pessimistischen Inhalt. Auf der inhaltlichen Ebene mag der Film von Selbstmord, Gefängnis und Kapitulation erzählen, aber beim ersten Betrachten weckt er eher eine naive Neugierde: Man fragt sich, wie das gemacht wurde. Und indem seine Stilmittel sich ständig ändern, bleibt der Film bis zum Schluss spannend. Ungelöst bleibt das Rätsel des Titels: Was mag „Der Sieg der Väter“ wohl bedeuten? Faszinierend ist auch, wie auf der Tonspur durch simple Kratzer ein durchaus musikalischer Rhythmus entsteht. Gerade weil sie so primitiv und archaisch sind, wirken einige der Bilder mit ihrer düsteren Poesie lange nach, als wären sie ins Gedächtnis eingekratzt.

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